Das Halfmannshaus

Der Hof Lommersweiler unterlag nicht direkt dem Burgherrn, sondern wurde von einem Halfer oder Halbbauer verwaltet. Diese Halbteilwirtschaft, schon im Altertum bekannt, war besonders im Mittelalter sehr verbreitet und bildete eine nicht unbedeutende Einnahmequelle der großen Grundbesitzer.

Bis auf den heutigen Tag ist im Volksmund die Erinnerung an diesen Halfer bestehen geblieben. Das noch erhaltene Halfmannshaus steht im Mittelpunkt zahlreicher phantasievoller Erzählungen, welche den älteren Einwohnern des Dorfes in den langen Winterabenden einen geliebten Gesprächstoff liefern. In engem Zusammenhang mit dem Halfmannshaus stehen der Burgknopp und die Burg, die sich dort angeblich befand.

 

Der Burgknopp

In westsüdwestlicher Richtung, ungefähr 300 m vom Dorfausgang entfernt, dort, wo der Feldweg nach der Schleide rechts abbiegt, erhebt sich der Burgknopp, unscheinbar, dem Vorübergehenden nichts ahnen lassend.

Nur wenige haben sich jemals die Mühe gegeben, den mit Fichten bepflanzten Hügel zu erklettern. Von der Dorfseite betrachtet hat er die Gestalt eines abgestumpften Kegels mit steilen Seitenwänden.

Das Erklettern ist in jeder Hinsicht lohnend. Die hohen, schlanken Fichten stören nur wenig den Blick auf das herrliche, enge Tal. In vielen Windungen eilt die Braunlauf auf den Berg zu, wagt sich bis dicht an den Fuß heran, ist dann gezwungen, den Kurs fast rechtwinklig zu ändern, um in weitem Bogen den Bergrücken zu umspülen.

Der Durchmesser der fast kreisförmigen Kuppe beträgt ungefähr 45 m. Wer das Gelände genauer betrachtet, kommt zur Gewissheit, dass Menschenhände eingegriffen haben und dem Burgknopp, durch Abtragen oder eher noch durch Aufschüttung, seine jetzige Gestalt gegeben haben. Einige Vertiefungen kommen zum Vorschein und lassen eingefallene Kellergewölbe vermuten.

Der Burgknopp ist die Hälfte eines Bergrückens, der vom Braunlauftal heraufsteigt. Die andere Hälfte wird Verbrannterknopp genannt. Der Weg, der vom Dorfe ins Braunlauftal hinunterführt, scheidet die beiden Kuppen voneinander. Der Einschnitt in den felsigen Bergrücken ist wahrscheinlich mit dem Zwecke der Befestigung vom Burgknopp ausgeführt worden.

Von der Ostseite bis zur Westseite, in einer Tiefe von 6 m und auf einer Länge von ca. 75 m, sieht man noch deutliche Spuren von einem Wallgraben. Es sind die Seiten, von denen der Burgknopp am leichtesten zugänglich war. In südwestlicher Richtung dehnt sich dieser Erdwall zu mehreren Vorplätzen aus.

Als bequeme Zufahrt gibt es nur eine Möglichkeit. Vom Dorfe her erhebt sich ein scheinbar aufgefüllter Damm, der bis dicht an den Burgknopp herannaht. Die enge, schmale Schlucht, die Damm und Burgknopp trennt, konnte leicht mittels einer Zugbrücke überwunden werden. Die amtlichen Flurbezeichnungen Burgknopp und auf Burg trugen sicherlich nicht wenig dazu bei, die Erinnerung an die Vergangenheit wach zu halten, oder gaben Anlass zu allerlei Vermutungen.

Das Burgkreuz fehlt natürlich auch nicht und bildet das letzte Glied in einer Reihe von Begebenheiten, die der ganzen Geschichte ein Bild verleihen, das die Vermutungen zur Wahrscheinlichkeit macht.


Der Volksmund erzählt


Von den vielen Erzählungen, die im Volksmund fortleben, will ich hier nur einige wiedergeben. Allgemein wird mit fester Überzeugung berichtet von einem unterirdischen Gang, der das Halfmannshaus mit der Burg verbunden haben soll. Dieser geheime Gang ermöglichte dem Halbbauer und seiner Familie, vielleicht auch sämtlichen Einwohnern der Ortschaft, die Flucht in unsicheren Zeiten. In der befestigten Burg fanden dann alle Schutz und Rettung. Manche behaupten, er habe ebenfalls dazu gedient, die Wallgräben der Burg mit Wasser zu speisen. Diese Behauptung stammt wahrscheinlich von der Tatsache, dass sich in der Nähe des vermuteten Ganges der uralte Willibrordusbrunnen befindet.

Nach anderer Meinung stand des Halfmannshaus ebenfalls in Verbindung mit dem Jonkerhaus. Dieses fiel einem Grossbrand zum Opfer, der in den Vormittagsstunden des 7. Mai 1886 sechzehn Häuser ganz oder teilweise vernichtete. Es wurde wieder notdürftig hergestellt. Das heute gänzlich verschwundene Haus wies eine andere Bauart auf als die übrigen. Das massive Haus hatte ein düsteres Aussehen. Die ganz niederen Fenster waren mit Traillen vergittert; die schwere Eichentür, mit kunstlosem Beschlag versehen, wirkte wenig einladend. Das Innere des Jonkerhauses war ebenso unfreundlich. Ältere Leute berichten von dem langen, dunklen, unheimlichen Gang, der in das Haus führte. Die ungewöhnlichen dicken Wände, die kleinen Fenster ließen eher an eine Festung als an eine Wohnstätte denken. Hier mussten sich die Angehörigen des Jonkers in Sicherheit fühlen.

Von dem Jonkerhaus bleibt als Erinnerung die Flurbezeichnung Ober dem Jonker mit einem großen Garten, der heute noch als Werkgarten bezeichnet wird. In einem Kirchenregister des Jahres 1752 wird Michael Jonker als Kirchenmompfer erwähnt. Damals war er noch ein reicher Bauer und großer Grundbesitzer. Dr. Esser spricht in dem Bonner Jahrbuch 1883 von den Bewohnern der Burg, die der Volksmund als Tempelherren darstellt, welche hartherzig gewesen wären, von den zugehörigen Bauern den Zehnten bezogen und ausschweifend gelebt hätten. Aber von dieser Sage ist heute, selbst bei den älteren Einwohnern, nichts in der Erinnerung geblieben. Die weibliche Phantasie stellt die Bewohner der Burg unter einem anderen Licht dar. Sie spricht von der milden Gräfin Hedwig von Lommersweiler, die, gleich Elisabeth von Thüringen, die Armen besuchte und ihnen reichlich Almosen spendete. Diese Sage fußt wahrscheinlich auf der Tatsache, dass 1599 Julian von Schiltz und Catharina von Schwarzenberg eine jährliche Messe mit Armenstiftung zu Lommersweiler fundierten. Dem Wunsche der Stifter gemäß erhielten die Notdürftigen des Ortes sowie der näheren Umgebung nach der Messe ein Almosen, zuerst in Natura, später in Geld.


Tatsachen, die den Vermutungen einiges Gewicht geben



A)  Der unterirdische Gang

Es ist keine leichte Aufgabe, Wahrheit und Phantasie zu unterscheiden. Jedoch bilden der Volksmund und die vorhandenen Tatsachen einen ernsten Anhaltspunkt zur weiteren Nachforschung.

Im Herbst des Jahres 1914 ist Lehrer Graf mit den Schulkindern in den Gang eingedrungen, etwa 25 m. Als die Kerze, mit der er vorausging, auslosch, wagte er sich nicht weiter hinein. Der heutige Besitzer des Hauses, Nikolaus Coumont, erzählt noch gerne von diesem Ereignis, das bei allen Teilnehmern einen tiefen Eindruck hinterlassen hat.

In den Jahren nach dem ersten Weltkrieg führten zwei Arbeiter aus dem Dorfe Ausbesserungen in der Nähe des Kellers des Halfmannshauses aus. Bei Ausschachtungsarbeiten stießen sie auf ein Gewölbe. Sie durchbrachen es und fanden den unterirdischen Gang. Heute noch erzählt Nikolaus Kaulmann mit Begeisterung von dieser Entdeckung. Er selbst und sein Mitarbeiter Adam Manderfeld sind in den Gang eingedrungen. Der schön gemauerte Gang mit Gewölbe hat eine Breite von ungefähr 80 cm und ist so hoch, dass ein Mann von normaler Größe ohne Beschwerden darin gehen kann. Während Nikolaus Kaulmann weitere Nachforschungen anstellen wollte, zeigte der damalige Besitzer des Hauses wenig Interesse für diese Geschichte. Das Loch kam ihm gelegen, darin ließ er die Ausschachtungserde verschwinden.

Allerdings muss noch geklärt werden, wohin und wie weit dieser unterirdische Gang führt, ob er wirklich Halfmannshaus und Burg miteinander verband oder ob er nur dem Halfer die Flucht erleichterte und in der nahen Schlucht endigt.


B)  Das Gebäude auf dem Burgknopp

Die Ausgrabungen, die ich am 10. März dieses Jahres mit den größeren Schulknaben begonnen habe, könnten einige Vermutungen bestätigen.

In einer bei der Beschreibung erwähnten Vertiefung begannen wir die Arbeit. Vom Glück begünstigt stießen wir bald, in einer Tiefe von 50 cm, auf eine alte Mauer. Die mit viel Eifer, aber mit beschränkten Mitteln fortgesetzten Arbeiten brachten uns die Gewissheit, dass auf dem Burgknopp wirklich ein Gebäude gestanden hat.

 

 

Eine von den freigelegten Mauern, die eine Dicke von 1,40 m erreicht, weist drei deutlich geschiedene Teile auf. Die Wände der Felder I und III sind mit gut erhaltenem Kalkmörtelputz versehen. Beim mittleren Feld II fehlt der Verputz, die Steine haben eine rotbraune Farbe, welche bis zu einer Tiefe von 10-15 cm in die Mauer hineinreicht. Der Boden im Feld II ist mit flachen, dünnen Steinen belegt und mit einer 2-3 cm dicken Schicht schwarzer Asche bedeckt. In den benachbarten Feldern ist keine Spur von Asche zu finden; auch liegt der Boden hier 20 cm tiefer. Im mittleren Feld befand sich also eine Feuerstelle.

Der Stein, der die Felder I und II trennt, ist ein behauener, weißgrauer Sandstein. Er hat eine Höhe von 1,20 m, eine Breite von 16 cm, eine Tiefe von 40 cm und ragt 15 cm aus der Wand empor. Er ruht auf einem ebenfalls behauenen Stein, der 5 cm nach allen sichtbaren Seiten größer ist.

Zwischen Feld II und III befand sich ein ähnlicher Stein, doch es bleibt nur noch der Sockel. Die zweite freigelegte Mauer ist bedeutend schmaler; sie erreicht nur eine Breite von75 cm und ist ebenfalls verputzt.

Außer den Sandsteinen besteht das verwendete Material aus hiesigen Steinen, die sicherlich in unmittelbarer Nähe des Burgknopps gefunden wurden, vielleicht vom Trennungseinschnitt zwischen Burgknopp und Verbrannterknopp. An Gegenständen wurde, außer einer Handvoll Scherben, bis jetzt noch nichts gefunden. Aus den Stichproben, die an verschiedenen Stellen durchgeführt wurden, können wir schließen, dass ein großer Teil der Oberfläche vom Burgknopp bebaut war und dass die ganze Kuppe von einer Ringmauer umgeben war. Über die Art des Gebäudes kann noch kein genaues Urteil abgegeben werden. Wegen Mangel an bequemer Zufahrt wird ein Bauernhof mit Sicherheit ausgeschlossen. Wenn wir nun noch andere nicht mögliche Bauten entfernen, so kommt uns unwillkürlich der Gedanke, es könnte doch ein befestigter Zufluchtsort gewesen sein.

Wir hoffen zuversichtlich, dass die Zukunft den Schleier der Vergangenheit weiter lüften wird.