Die römischen Grabkammern

Die Frühlingserde dampfte. Und immer noch zog das Ochsengespann schwerfällig den Pflug durch das Ackerland.
Über die Schollen torkelte ein Mann daher. An seinen Schuhen klebte der Lehm in Klumpen. Neugierig guckte er durch die dicken Brillengläser, als ob er seinen Spaß an den weißgefleckten Ochsen habe.
Der Bauer hielt das Gespann an und sagte etwas spöttisch:
„Nun, guter Freund, das ist hier kein Steinpflaster wie in der Stadt. Auf diesen Schollen kann mal Hals und Bein brechen.“

„Das wohl“, lächelte der Fremde gutmütig.

„Wird es nun endlich ernst mit unserer Eisenbahn?“ spottete der Bauer, indem er den Fremden aufmerksam von Kopf bis Fuß musterte.

„Was, Eisenbahn?“

„Ei gewiss, Sie messen doch sicher das Gelände aus?“

„Ich?“

„Ja!“

„Mich führt was ganz anders auf diesen Bann. Es haben nämlich einstmals die Römer in dieser Gegend gehaust. Ich will nun nachsehen, ob es nicht da oder dort noch Spuren ihrer Herrschaft gibt. Ist ihnen nichts bekannt?“

Das waren bömische Dörfer für den Bauer. Er schüttelte bedenklich den Kopf und sprach etwas zornig:
„Was, soll ich mich am Narrenseil von so einem Stadtfrack führen lassen!“

Dann griffen die zwei markigen Fäuste nach den Pflugsterzen, ein kräftiger Hopp erschallte, und die Ochsen schlenderten wieder faul über das Feld.

Anfangs war der Fremde etwas verblüfft, aber bald folgte er dem Bauer, der am Ende der Furche angelangt war und die Ochsen losspannte. Er trat zu ihm hin, klopfte ihm auf die Schulter und sagte gutmütig:

„So war es doch nicht gemeint. Sie können mir doch wohl sagen, wie der Bann hier heißt.“

„Auf Dreihügel“, klang es gleichgültig zurück.

„Dreihügel! So, so! Ihr wisst vielleicht auch, warum es gerade so heißt?“

„Ei, so ein Vorwitz; das weiß ein jedes Schulkind; da hinten, wo das Dutzend Buchen steht, sind drei richtige Hügel.“

„So, so, das will ich mir mal ansehen.“

„Das ist schon erlaubt, ich gehe auch dahin heim; ich will Ihnen die Erdhaufen zeigen.“

Über den Rücken der Ochsen knallte die Peitsche. Schwerfällig setzten die plumpen Tierkörper sich in Bewegung. Der Fremde schlenderte mit dem Bauer hintendrein. Während der eine emsig auf seine Karte schaute, schnitt der andere Brocken um Brocken von einem dicken Stück Rolltabak ab, rieb sich zwischen den schwieligen Händen und stopfte seine Pfeife. Bald qualmte es wie ein Schornstein. Unterdessen waren sie an dem Wäldchen angelangt. Richtig, da waren drei Hügel. Sie sahen etwa wie riesige Maulwurfshügel aus.

„Tumuli, echte Tumuli das“, sprach der Fremde voller Freude und stocherte mit dem Reisestock in dem ersten Haufen herum.

„Das sind todsicher römische Grabkammern“, fuhr er fort, „ich darf sie wohl öffnen lassen?“

„Meinetwegen“, gab der Bauer kurz zurück.

Der Fremde fragte, ob es wohl im Dorf zwei oder drei Arbeiter gäbe, die ihm beim Öffnen de Gräber behilflich sein könnten?

Der Bauer versprach etliche Männer, die recht gern ein paar Franken verdienen wollten, zu nennen. Darauf setzten die beiden Männer ihren Weg nach dem Dorfe fort.

Am Nachmittag trabte de Fremde mit zwei Arbeitern, die Spaten und Hacken auf der Schulter trugen, nach dem Wäldchen. Unterwegs legte er ihnen ans Herz, doch recht vorsichtig zu graben, auf dass nicht etwa Krüge in Scherben gingen...