Wasserkutscher

Was ein Wasserträger ist, weiß heute jede Oma, auch wenn sie sonst nichts von der Tour de France und anderen Radrennen hält. Von ihnen soll auch gar nicht die Rede sein, sondern von Wasserfahrern, einem Begriff, der nur den wenigsten geläufig ist. Es ist daher notwendig, ihn ein wenig zu erläutern und die Geschichte von vorn zu beginnen.

Die Freundschaftsbande über die Grenze hinweg enger zu knüpfen, hatten die Feuer-wehren von St.Vith und Winterspelt beschlossen, einmal eine gemeinsame Übung abzuhalten. Gesagt, getan. Kein Ort hätte sich besser dazu geeignet, als Steinebrück im lieblichen Ourtal mit seinem gemeinsamen Zollhaus und einem Hotel, welches auch eine Wirtschaft beherbergt. Dem Löschen waren somit keine Grenzen gesetzt.

So kam man von beiden Seiten am Samstagabend angebraust, saß ab, erfreute sich an schneidigen Kommandos und setzte riesige Wassermassen in Bewegung, die Winterspelter aus der Our, die St.Vither aus der Lommersweiler Gemeindeleitung. Anschließend legte man bei Niki den Bierkeller trocken. Mit Energie und Ausdauer brachte man letzteres noch vor Sonnenaufgang zum guten Abschluss.

Als der Kommandant am Sonntagmorgen von einem energischen Anrufer Bescheid bekam, die Leitung sei leer, und die Feuerwehr habe diese gefälligst und schleunigst wieder zu füllen, nahm er folgerichtig an, es handele sich um die Bierleitung und einen Scherz. Der Anrufer wurde dienstlich, und so kam heraus, dass die St.Vither im Eifer des Gefechts die ganze Wasserleitung leer gepumpt hatten und Mensch und Tier vergeblich nach frischem Wasser lechzten. Was blieb dem Fireman anderes übrig, als mit dem Tankwagen vom letzten Hydranten in der Wiesenbachstrasse aus das benötigte Nass zum Lommersweiler Bassin zu fahren und dieses zu füllen. Schließlich machte die Sache sogar Spaß, bis…sich plötzlich das St.Vither Wasserwerk meldete, ebenso energisch wie morgens Lommersweiler und kundtat, man sei dabei, die letzten Reserven abzuzapfen. Man solle gefälligst mit dem Unfug aufhören.

So ein Wasserkutscher hat es nicht leicht, zumal, wenn er zwei Herren gleichzeitig dienen soll.