Bürgermeister Jakob Jodocy

Lommersweiler. - Im Alter von 86 Jahren verschied gestern Herr Jakob Jodocy in seinem Heimatort Lommersweiler. Der Verstorbene gehört zu den markantesten Persönlichkeiten des St.Vither Landes in der Nachkriegszeit. Im öffentlichen Leben seiner Gemeinde, in den Vereinen und im landwirtschaftlichen Wiederaufbau nahm er Jahrzehnte hindurch eine hervorragende Stellung ein. Darüber hinaus schätzten ihn alle wegen seines goldigen Humors und seiner stetigen Bereitschaft, der Allgemeinheit zu dienen. Er war ein Mensch von besonders hohen Eigenschaften und Fähigkeiten.

Jakob Jodocy wurde im Jahr 1926 erstmalig in den Gemeinderat von Lommersweiler berufen. Bereits nach den nächsten Wahlen, d.h. im Jahre 1932 wurde er Bürgermeister und blieb es, bis auf die Kriegsjahre, bis zum 31. Dezember 1964. Wegen seines hohen Alters verzichtete er auf eine Wiederwahl bei den letzten Kommunalwahlen. Bürgermeister Jodocy liebte keine lautstarken Debatten und war jeder Streit abhold. Trotzdem aber verstand er es immer, auch noch im hohen Alter, seine Kollegen vom Gemeinderat zu überzeugen und seinen Standpunkt durchzusetzen. So sind denn die während seiner Amtszeit vorgenommenen großen Arbeiten großenteils auf seine Initiative zurückzuführen. Vor dem Kriege, etwa 1932-33, wurde die Gemeinde elektrifiziert, später wurde die Schule in Atzerath gebaut. Nach dem Kriege wurde die Wasserversorgung durch ein großangelegtes Projekt sichergestellt, das während der Kampfhandlungen zerstörte weitläufige Wegenetz der Gemeinde wurde wieder instandgesetzt, das Pfarrhaus in Lommersweiler wurde gebaut und vor allem wurden zahllose Kriegsschädenangelegenheiten geregelt.

Der strenggläubige Verstorbene war Mitgründer des Kirchenchors von Lommersweiler und förderte den katholischen Verband der Musik- und Gesangvereine, deren Ehrenpräsident er für die Abteilung St.Vith war. Dem Musikverein „Eifeltreu“ verhalf er als jahrzehntelanger Präsident zu seiner jetzigen Bedeutung und er kümmerte sich auch noch um seine Belange, als man ihn zum Ehrenpräsidenten ernannt hatte. Die Landwirtschaft verdankt Jakob Jodocy vieles. Als Präsident der Molkereigenossen-schaft St.Vith-Büllingen und als Präsident des Viehseuchenverbandes leistete er den Landwirten, weit über die Grenzen seines Heimatortes hinaus, große Dienste.

Die außerordentlichen Verdienste des Verstorbenen wurden durch die Verleihung zahlreicher Orden anerkannt. Jakob Jodocy war Inhaber des Ordens 1. und 2. Klasse des Landwirtschaftsministeriums, Verdienstkreuzes Leopold II., 1.Klasse, der Zivilkriegsmedaille 1. Klasse 1940-45, des Kriegsverdienstkreuzes 1. Klasse und schließlich wurde ihm vom König das Ritterkreuz des Kronenordens verliehen.