Hochzeit in Lommersweiler

12.11.1966

Unter diesem Titel brachte die Zeitschrift des St.Vither Geschichtsvereins (Mai 1966) einen Bericht von dem einzigartigen Hochzeitsbrauch, der seit Menschengedenken in Lommersweiler herrscht: "die Junggesellen verlangen ein Recht."

Das belgische Fernsehen griff die Idee auf und äußerte den Wunsch diesen uralten Brauch auf der Kamera festzunehmen.

Die Organisation der Veranstaltung übernahm der sich im Aufbau befindlichen Verein "Freude, Folklore, Frohsinn" Lommersweiler. Sehr schnell waren alle Vorbereitungen getroffen. Noch niemals war sich das Dorf so einig. Da aber nicht jeden Tag in Lommersweiler geheiratet wird, musste ein fiktives Brautpaar gesucht werden. Dazu war das letzte wirkliche Paar, Helma Kohnen und Johann Hostert sehr gern bereit.

Die Eltern des Bräutigams waren aus Holzheim herbeigeeilt; die Eltern der Braut waren natürlich auch dabei. Die übrige Hochzeitsgesellschaft bildeten die Einwohner von Lommersweiler, welche sehr zahlreich und im besten Schnippel erschienen waren. Alle Junggesellen waren auf ihrem Posten; heute gab es ja auch eine Sonderzuteilung von Freibier. Gegen ein Uhr erschienen fünf Techniker vom Fernseher mit imposanten Geräten, welche gleich aufgebaut wurden, und die Feier konnte beginnen.

Die frühzeitig erschienenen Hochzeitsgäste hatten sich schon im Wirtshaus gestärkt und es herrschte gleich Hochzeitsstimmung. Auch im Hause der Brautleute (heute bei Pitt Müller) fehlte der Branntwein nicht. Unsere Statisten sind keine Schauspieler; so musste manche Szene wiederholt werden. Die Aufnahme des Elternsegens bereitete besonders viele Schwierigkeiten. Den Höhepunkt der Veranstaltung bildete jedoch "das Recht", das von den Junggesellen verlangt wurde. Hier klappte alles vorzüglich. Die beiden Sprecher, Franz Müller für die Junggesellen und Nikolaus Pröhs für die Hochzeitsgäste, erfüllten ihre Arbeit aufs Beste, so dass die Veranstaltung als sehr gelungen betrachtet wurde.

Damit war der offizielle Teil erledigt. Wenn die Junggesellen auch mit dem Schinken, mit den Wecken und mit dem Fass Bier stolz auf den Reuten zu marschierten, so sollten sie diesmal aber nicht allein das Recht verzehren. Um acht Uhr versammelte sich wieder die ganze Hochzeitsgesellschaft im Saale Reuten um diesem außergewöhnlichen Tage einen würdigen Abschluss zu bereiten.

Die fünf Vertreter des belgischen Fernsehens fanden sich abends auch wieder ein und feierten mit bis in die tiefe Nacht hinein, und regelten vor ihrem Abschied die Note, denn sämtliche Unkosten der Veranstaltung wurden von der Fernsehgesellschaft getragen.